Kurz geplaudert mit... Laura van Altena

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Wie viel Partizipation steckt in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft? Laura van Altena erzählt von Meilensteinen aus den vielseitigen Arbeitsbereichen ihres Teams. Wir sprachen außerdem über Machtfragen, knappe Ressourcen und die Herausforderung, gemeinsam etwas zu bewegen.

Headerbild Kurz geplaudert
Kurz geplaudert mit Laura van Altena. © Hendrik Rauch, bearbeitet durch Lea Risch

Liebe Laura, was ist deine persönliche Rolle im Projekt InNoWest?

Laura van Altena: Meine Rolle ist gewachsen. Ich bin eingestiegen als Koordinatorin für das Team Partizipation und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ich musste dann erstmal meine Rolle finden. Was heißt denn das, Koordination? Ich habe mich dann wiedergefunden an einer Schnittstelle zwischen meinem Team und der Gesamtkoordination des Projekts. 
Erst habe ich versucht, es allen recht zu machen. Dann habe ich irgendwann beschlossen, mich eher als Vertretung für das Team Partizipation zu sehen und mich für sie einzusetzen. Das war dann auch besser für mich.

Ich habe mir noch weitere Nischen gesucht und arbeite jetzt in wahnsinnig vielen Projekten mit. Es hat mir nicht so ganz gereicht, nur eine Koordinierungsstelle inne zu haben, mit der ich inhaltlich nur wenig bewirken kann. Hauptsächlich arbeite ich im KLUB-Projekt mit („Klima und Umwelt sozialwissenschaftlich beforschen – KLUB: Zivilgesellschaft für nachhaltige ländliche Zukünfte“). Da habe ich vor allem eine gestaltende Rolle. Ich versuche, den Gesamtüberblick zu behalten, den Rahmen zu setzen und unsere Hauptverantwortliche, Dr. Andrea Prytula, zu unterstützen, sodass sie den Rücken frei hat, um wissenschaftlich arbeiten zu können.

Laura gestikulierend in einer sitzenden Gruppe
Netzwerktreffen Klima und Nachhaltigkeit. © Gilber Wigankow

Ich begleite außerdem maßgeblich ein Transferfonds-Projekt mit: das Projekt Biodiversitätswände aus Reetwellerlehm. Es geht darum, den Baustoff Reetwellerlehm innerhalb einer Art Schallschutzwand zu erproben. Im Fokus steht dabei die Frage, ob und wie die Wände von Wildbienen und anderen Insekten als Lebensraum angenommen werden können. Im Pilotprojekt werden dafür vier Wände an unterschiedlichen Standorten in der Prignitz aufgestellt und über einen längeren Zeitraum untersucht. Später sollen die Wände im eigentlichen Leitprojekt „Brandenburgs Alhambra“ auch für Gebäude verwendet werden, in dem Fall für eine Raststätte, einen netten Aufenthaltsort an der Straße.
An das aktuell laufende Pilotprojekt habe ich noch ein weiteres Aufbauprojekt angeknüpft: Digitales Monitoring. Das klappt gerade richtig gut. Dazu habe ich Philipp Kersten aus dem Team Umbau mit an Bord geholt. Er ist der Sensorik-Freak. Wir versuchen jetzt, mindestens eine Lehmwand mit digitaler Sensorik zu verkabeln, um zum Beispiel abiotische Parameter wie Temperatur- und Feuchtebedingungen innerhalb der Wände zu messen. Wir wollen die Idee auch mit der Landesgartenschau 2027 (LAGA) in Wittenberge verknüpfen und die Biodiversitätswände dort vorstellen.

Lager der Reetbündel im Anlieferungszustand und fertige Lehmziegel.
Lager der Reetbündel im Anlieferungszustand und fertige Lehmziegel. © Philip Kersten, InNoWest

Was findest du besonders spannend an deiner Arbeit im Team Partizipation?

Laura van Altena: Seit ich mir meine eigenen Projekte aktiv gesucht habe, fühlt sich das für mich total sinnstiftend an. Davor war das nicht ganz so. Ich habe das Gefühl, wirklich was bewegen zu können. Mir gefällt, dass InNoWest kein reines Forschungsprojekt ist, sondern wirklich ein Transferprojekt, das aber wissenschaftlich unterlegt ist. Ich stehe dafür ein. Da gibt es manchmal gespaltene Meinungen.

Unser KLUB-Projekt mit Citizen Science ist wirklich ein wissenschaftliches Forschungsprojekt, aber es ist vor allen Dingen ganz praxisnah. Das ist es, was mich antreibt. Ich arbeite mit den Menschen vor Ort zusammen und versuche herauszufinden, was sie brauchen. Wichtig ist auch die Reflexion darüber, dass wir aus einer Hochschulperspektive im urbanen Raum auf alles blicken. Was bringt das für Machtverhältnisse mit sich? Was hat an dem Citizen Science Projekt nicht so funktioniert, wie es ursprünglich sollte?

Das wollen wir nun im Rahmen eines Planspiels reflektieren. Wir wollen es auf der PartWiss, der LAGA in Wittenberge und anderen Veranstaltungen durchführen und weiterentwickeln.

Worum wird es im Planspiel gehen?

Laura van Altena: Es ist eine Art Rollenspiel. Es wird festgelegte Akteursgruppen geben, die prototypisch für eine bestimmte Gruppe stehen. Es gibt das wissenschaftliche Projektteam der Hochschule, die ehrenamtlich aktive Person, die NGO oder einen gemeinnützigen Verein, den Fördermittelgebenden oder einen Akteur im Jugendkulturspektrum. Auch die politische und wirtschaftliche Ebene soll vertreten sein.  Die Teilnehmenden bekommen dann ihr Rollenprofil, in dem festgelegt ist, was ihre Interessen, ihre Herausforderungen, ihre Sorgen und ihre formale und informelle Macht sind.

Sie können sich kurz reindenken und bekommen dann eine Situation vorgelegt. Sie werden miteinander in den Austausch gehen und verschiedene Phasen und Situationen eines Projektes durchlaufen. Beispielsweise: Ihr bekommt Fördergelder, aber nur unter bestimmten Auflagen. Was macht ihr damit? Wer entscheidet jetzt? Die Ergebnisse wollen wir festhalten und im Anschluss reflektieren. Wir wollen ein Bewusstsein für die Förderlogik schaffen. Uns hineinversetzen: Wer gehört zum Kern und kann wirklich etwas sagen? Wie wird das Geld ausgegeben? Wer hat letztlich die Macht und kann entscheiden?

Laura van Altena
Laura van Altena. © Hendrik Rauch

Welche Ziele habt ihr bis jetzt erreicht?

Laura van Altena: Ich sage immer: Die anderen Teams arbeiten eher produktorientiert, das Team Partizipation arbeitet vor allem prozessorientiert. Ich finde, dass sich im letzten halben Jahr wahnsinnig viel getan hat und sich Ergebnisse zeigen.
Wir haben im Rahmen des KLUB-Projekts ein Netzwerk zu Nachhaltigkeitsthemen im ländlichen Raum aufgebaut. Es besteht aus einer diversen Mischung aus aktiven, ehrenamtlichen Einzelpersonen, verschiedenen Institutionen, einigen Hauptamtlichen und ein paar Menschen aus der Politik. Insgesamt sind es etwa 60 Personen, von denen dann 15 bis 25 bei den Netzwerktreffen dabei sind. 
Es ist das Ziel gewesen, das entstandene Netzwerk in die Selbstorganisation zu übergeben. Das haben wir geschafft. Wir haben nicht unbedingt geglaubt, dass das klappt. Wir begleiten und unterstützen sie immer noch und sind ansprechbar, aber sie machen nun alles selbst. Wir hoffen, dass wir eine Transfer- und Koordinierungsstelle finanziert bekommen, um diesen Verstetigungsprozess weiter unterstützen und die relevanten Erkenntnisse des gesamten Entwicklungsprozesses auch auf andere Bereiche und Regionen übertragen zu können.

eine Gruppe von Menschen steht zusammen in einem Semiarraum
Netzwerktreffen Klima und Nachhaltigkeit. © Gilbert Wigankow

Das Projekt NaDi („Gemeinsam Digitalisierung nachhaltig gestalten“) ist auch wahnsinnig erfolgreich. Das Team hat viele Workshops mit Schulklassen durchgeführt. Jetzt wird überlegt, inwiefern man auch Unternehmen in das Thema einbinden kann. Marela hat das Projekt nochmal auf eine andere Ebene gehoben. Es gibt inzwischen Kooperationen mit dem Cornelsen Verlag und mit Momox. Darüber hinaus soll nun auch ein „Train the Trainer“-Format entstehen.

Das Elbe-Seminar des Projekts „Studierende gestalten Nachhaltigkeit in Brandenburg“ ist natürlich auch der Hammer! Das finden die Menschen hier in der Region ganz toll. Es hat nun das zweite Mal stattgefunden. Es ist ein super Beispiel dafür, wie wir unsere Themen in die Lehre einbinden können. Sie wirken nicht nur in die Region hinein, sondern auch in die Hochschule zurück. Das ist es, wo wir eigentlich hinwollen. Es soll ein Kreislauf werden.

Ich bin auch beim Spiel mit Grenzen involviert. Damit waren wir auf der re:publica 2025. Wir modifizieren es jetzt nochmal für die LAGA 2027 und womöglich auch noch einmal für die re:publica 2027.

Gerade haben wir eine Handreichung verfasst, in der ganz konkret unsere Ergebnisse drinstehen, mit denen in der Praxis weitergearbeitet werden kann: konkrete Handlungsempfehlungen für Hochschulen und für zivilgesellschaftliche Netzwerke.

Wir kommen in eine Phase, in der in allen vier Teilprojekten nun alles greifbarer wird. Gleichzeitig können wir auch schauen, was auch über InNoWest hinaus Bestand haben kann. Das ist das, was mich antreibt. Ich möchte einen Mehrwert schaffen. Sowohl aus mir selbst heraus, dass ich das Gefühl habe, etwas Sinnstiftendes zu tun, aber auch für die Menschen, die das dann wirklich betrifft.

Laura präsentiert etwas vor einer Tafel mit vielen Stichpunkten
Laura van Altena im Gespräch. © Laura van Altena

Wo siehst du die größten Herausforderungen in eurem Teilprojekt?

Laura van Altena: Ich habe den Eindruck, dass es bei uns anders läuft als in den anderen Innovationsteams. Unsere vier verschiedenen Teams sind alle sehr in ihren eigenen Themen drin, mit wenigen Überschneidungspunkten. Das finde ich wahnsinnig schade. Wir haben zu Beginn mit den Startprojekten angefangen, ohne zu bedenken, wie es irgendwann wieder zusammenlaufen kann. Auch im Gesamtprojekt ist diese Trennung sichtbar. Nach einem längeren Strategieprozess haben wir uns bewusst dafür entschieden, die vier Teams mit ihren Teilprojekten aufgeteilt zu lassen. Entsprechend agieren und entscheiden alle für sich selbst. Wenn sich irgendwer beispielsweise für etwas wie die Landesgartenschau nicht engagieren will, habe ich da nur wenig Möglichkeit zu interagieren. Es ist schade, dass wir da teilweise nicht an einem Strang ziehen und gemeinsam schauen, wo wir hinwollen. Das kann ich nur akzeptieren.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass bei uns deutlich weniger sowohl finanzielle als auch personelle Ressourcen hinterlegt sind. Das macht echt viel aus. Es ist auch exemplarisch dafür, wo das Thema Partizipation im Vergleich zu den anderen Themen steht. Das ist schade.

Hast du einen Lieblingsmoment bei InNoWest?

Laura van Altena: Das letzte Treffen der wissenschaftlichen Mitarbeitenden in Wittenberge fand ich sehr schön. Wir hatten sonst immer nur eintägige Veranstaltungen. Aber am Abend auch mal informell zusammenzusitzen, finde ich gut. Ich fand auch die re:publica 2025 mit dem Spiel mit Grenzen richtig klasse. Es war wahnsinnig anstrengend, aber es war auch richtig klasse.

Was ist dein Lieblingsort in Brandenburg?

Laura van Altena: Ich mag das Zegg in Bad Belzig. Das ist so eine hippineske Gemeinschaft. Sie bieten viele Seminare an und gemeinschaftliches Wohnen. Außerdem habe ich tatsächlich meinem Freund vorhin gesagt: „Lass uns doch mal im nächsten Jahr ein paar Tage nach Wittenberge fahren. Hier gibt es so ein schönes Resort und dann gehen wir noch auf die LAGA!“

Profilbild Laura van Altena
Laura van Altena. © InNoWest, Florian Reischauer

Mehr zum Team Bildung für nachhaltige Entwicklung und Partizipation

Erfahren Sie hier mehr zur Arbeit und den Projekten vom Team Bildung für nachhaltige Entwicklung und Partizipation

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Laura van Altena

Koordination, Partizipation + Citizen Science

Lea Risch
Autor*in

Lea Risch

Kommunikation und Social Media