Kurz geplaudert mit... Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann

Beteiligung
Demokratie
Gemeinwohl

In dieser kurzen Plauderei stellen sich die beiden Mitorganisator*innen des Prignitzer Aktionstages vor: Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann! Sie schildern ihren Weg von der Idee bis zur erfolgreichen Veranstaltung und ihrer Kooperation mit InNoWest.

Headerbild Kurz geplaudert
Kurz geplaudert mit Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann. © Stephan Flade

Willkommen Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann. Aus welchem Bereich kommen Sie? Stellen Sie sich gerne beide einmal kurz vor.

Aniko Herms-Neumann: Ich bin Aniko Herms-Neumann und arbeite im BBZ Prignitz, also dem Berufsbildungszentrum Prignitz GmbH. Ich bin hier Ausbilderin, Dozentin und auch Projektleiterin der Servicestelle Verbundausbildung. Ich engagiere mich über dieses Projekt beim Prignitzer Aktionstag. Ich bin dort im Organisationsteam mit dabei gewesen und neben Stephan auch eine der Sprecherinnen für den Aktionstag.

Stephan Flade: Ich bin Stephan Flade. Ich bin seit 10 Jahren pensionierter Pfarrer und bin jetzt 75. Ich habe dieses Projekt mit Reinhard Lang von InNoWest 2024 angefangen, sodass wir dann 2025 den ersten Aktionstag machen konnten. Seitdem habe ich die Dinge mit in die Wege geleitet und ein Stück weit koordiniert.

Mehrere Männer die im Garten arbeiten.
Aktive des Aktionstages im Elbgarten. © Aniko Herms-Neumann

Könnten Sie noch mal kurz erklären, was der Prignitzer Aktionstag ist?

Stephan Flade: Der Prignitzer Aktionstag ist der Gedanke, Initiativen, Einzelpersonen und Vereine miteinander in Verbindung zu bringen mit Unternehmen, die in der Prignitz tätig sind. Das Ziel ist, sich zunächst partiell an einem Tag zu verabreden und sich gegenseitig zu helfen, mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, die die Unternehmen bieten und die die Vereine als Notwendigkeiten haben. Außerdem wollen wir Ehrenamt generieren. In den Betrieben haben Menschen zum Teil gar keine Kenntnis, was in ihrem kommunalen Umfeld oder in der Region an notwendiger und schöpferischer Arbeit geleistet wird. Da wollen wir miteinander eine Verbindung schaffen.

Aniko Herms-Neumann: Also die Unternehmen haben meistens die Manpower und Maschinenpower und die Vereine oder Gemeinnützigen suchen meistens genau das. Sie können aber schlecht zusammenkommen. Man hat ganz deutlich gemerkt, wie viel an einem Tag geschafft werden kann, wenn diese beiden Komponenten aufeinandertreffen. Das war wirklich toll zu sehen.

Wer nimmt teil? Haben Sie ein paar Beispiele?

Stephan Flade: Insgesamt waren es 17 geplante Projekte, 16 davon haben wir unmittelbar umgesetzt. 22 Unternehmen waren beteiligt, die sich teilweise noch Leute rangeholt haben. Beteiligt waren von den Ehrenamtlichen und von den Projektleuten zwischen 100 und 120.
Es sind meist regionale Player unter den Unternehmen. Die überregionalen, die nicht unbedingt ihren Firmensitz hier in der Prignitz haben, sind nicht so unmittelbar beteiligt. Wir wollen es hinbekommen, dass es regionale Bezüge gibt. Also nicht, dass eine Firma 50 Kilometer fahren muss und dann ist der halbe Arbeitstag weg. Wir gucken, dass wir dieses Miteinander in der Region, in der Kommune, in dem unmittelbaren Bereich organisieren. Dann bietet sich über das Jahr oder über den Tag hinaus eine Möglichkeit, miteinander weiter in Verbindung zu stehen. Die Vereine sind diejenigen, die wir ansprechen und ermutigen, ihre Bedürfnisse klar zu sagen. 

 Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann beim Feierabend.
Stephan Flade und Aniko Herms-Neumann beim Feierabend. © Stephan Flade

Aniko Herms-Neumann: 

  • Wir hatten zum Beispiel ein Projekt der Firma Transformare aus Wittenberge, die im DDR-Museum in Perleberg für Ordnung gesorgt hat.
  • Auch der Förderverein der Rolandschule, einer Grundschule in Perleberg, wollte den Schulgarten etwas renovieren. Da kam zum Beispiel die Lebenshilfe-Gärtnerei und hat dort gemeinsam mit einigen Menschen entweder einen großen Kompost gebaut oder die Grasnarbe abgetragen und eine Fläche für eine Wiese vorbereitet. Eine Schulklasse war ebenfalls dabei, hat gesungen und Gedichte vorgetragen und mit ihren kleinen Schippen fleißig mitgeholfen. Das war wirklich total niedlich anzusehen.
  • Im Kulturkombinat sollte ein Raum ausgeräumt werden. Da hat dann zum Glück die große Firma Eggers Umwelttechnik Maschinen und einen jungen Mann zur Verfügung gestellt. Er hat ein Förderband und einen kleinen Radlader bedient, sodass alles deutlich schneller ging.
  • In Klein Leppin hatten wir ein Projekt, das „Dorf macht Oper“ heißt. Dort wurde eine alte Tribüne zurückgebaut.
  • In Karstädt wurde ein Fußboden erneuert – von einer Firma, bei der der Chef höchstpersönlich mit angepackt hat.
  • Zum Elbgarten in Wittenberge, einem gemeinnützigen Verein, kamen Azubis der Deutschen Bahn. Sie haben dort nicht nur einen Tag, sondern sogar eine ganze Woche lang verschiedene Projekte umgesetzt. Unter anderem wurden ein Weidentipi und eine Kräuterspirale gebaut, um den Garten zukünftig noch attraktiver zu machen.

Es wurden an diesem Tag also ganz vielfältige und ganz unterschiedliche Projekte umgesetzt – und genau das hat den Tag so besonders gemacht.

Stephan Flade: 

  • Außerdem haben wir für die Hundeschutzstaffel des Landkreises, die eigentlich bei der Feuerwehr angesiedelt ist, gearbeitet. Die Stadtwerke Wittenberge und auch der Trinkwasser- und Abwasserzweckverband der Prignitz haben dort mit Azubis einen Trainingsplatz für die Hunde gemacht.
  • Ein Verein in Sagleben, der beeinträchtigte Menschen unterstützt, bekam eine neue Wasserleitung.
  • Zudem gab es den Bau eines Sportplatz-Pavillons in Pinnow.
  • Die Volksbank in Perleberg hat sich im sozialen Bereich engagiert. Hier wurde älteren Menschen geholfen und Modelle entwickelt, dass sie nicht auf Enkeltricks oder Ähnliches reinfallen. Azubis wurden dann auch angeleitet, mit alten Menschen zu arbeiten, die eine bestimmte Sprache und bestimmte technische Zugänge einfach nicht haben.

Jetzt haben wir bestimmt manches vergessen. Es sind wirklich sehr, sehr breit gefächerte Dinge. Wir mussten die Projekte zum Teil ein bisschen umstricken, weil manche der Wünsche nicht umsetzbar waren.

Aniko Herms-Neumann steht mit einer Hinweistafel in der Hand.
Hinweistafel. © Julian Müller für Prignitzer Aktionstag

Wie war die Resonanz der Leute?

Aniko Herms-Neumann: An dem Tag sind wir die Projekte abgefahren und haben sie begleitet. Überall, zumindest da, wo ich hinkam, war eine sehr gute Stimmung. Es war sehr schlechtes Wetter an dem Tag. Es hat stark geregnet. Trotzdem haben alle, die dort mitgearbeitet haben, immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt und waren voller Enthusiasmus dabei.

Stephan Flade: Das merkte man auch schon in den Vorgesprächen. Die waren manchmal etwas mühselig, weil die Vereine sich nicht getraut haben, ihre realen Wünsche wirklich zu benennen, und gedacht haben: Das ist unerfüllbar, was wir wollen. Da mussten wir sie ein bisschen anfüttern. Aber als dann die ersten Matching-Gespräche vor Ort stattgefunden haben, war eine tiefe Dankbarkeit seitens der Vereine gegenüber den Unternehmen da.

Wie war die Zusammenarbeit mit InNoWest? 

Stephan Flade: Reinhard Lang, aus dem Team Partizipation, hat uns bei einem Barcamp von InNoWest im Transferort im September 2024 erzählt, dass sowas wie der Prignitzer Aktionstag möglich ist. Es gibt da Modelle aus dem Westen, in den größeren Ballungsgebieten, die diesen Aktionstag schon gemacht haben. Er hat uns das mal gezeigt und hat dann eine Gruppe zusammengefunden von Leuten, die Interesse hatten, sich mal diesen Gedanken auszusetzen.
Daraus ist eine kleine Arbeitsgruppe geworden, die ab November 2024 für 2025 gearbeitet hat. Reinhard hat mit mir gemeinsam diese Gruppe strukturiert und geleitet.
Der Gedanke, der bei InNoWest dahintersteckt, universitäres Denken, Erfahrungen und wissenschaftliche Expertise reinzugeben in die Praxis, die durchaus real und niederschwellig ist und wo man gucken muss, dass man Kooperationspartner findet – dieses Thema ist mir seit 25 Jahren vertraut, genau diese Art von Vernetzung.
Man braucht Leute, die das Ehrenamt auch wirklich strukturieren, so wie Reinhard. Und es bleibt immer bei bestimmten Schlüsselpersonen hängen. Das heißt, diejenigen, die an so einer Stelle engagiert sind, die sind dann gleich in drei unterschiedlichen Dingen engagiert. Die Basis derer zu verbreitern, die in so einem Orga-Team mitmachen, und neue Leute dazu zu finden und diese zu motivieren, das ist immer das Riesenthema in diesen regionalen Strukturen der ländlichen Regionen.

Ein Mann bearbeitet etwas mit einer Flex.
Flexen. © Julian Müller für Prignitzer Aktionstag

Im nächsten Jahr werden Sie das Ganze weiterhin anpacken und noch mal als Gruppe auf die Beine stellen?

Aniko Herms-Neumann: Wir haben uns jetzt miteinander eingegroovt. Dieses Jahr war es noch größer als im letzten Jahr. Wir haben uns Strukturen geschaffen, in denen wir gut zusammenarbeiten können, beispielsweise über ein Padlet.
Innerhalb der Gruppe hat jeder seine Aufgabe. Ich glaube, beim nächsten Mal ist es natürlich noch kein Selbstläufer, aber es wird viel einfacher. Wir wollen testen, mit wie viel Arbeitsaufwand wir da jeweils nochmal reingehen müssen. Ich würde denken, dass es einfacher wird. Die Firmen kennen uns, die Vereine kennen uns jetzt.

Stephan Flade: Ich bin da realistischer. Aber ich teile den Mut von Aniko. Natürlich sind wir bekannt. Aber man sieht schon bei den Firmen, dass die genau gucken müssen: Welches Personal haben sie zur Verfügung? Welche Arbeitsmöglichkeiten bieten sich? Es hängt auch von der Marktlage und der wirtschaftlichen Situation insgesamt ab.
Es bleibt ein Wagnis. Eine gewisse Erfahrung beim dritten Mal haben wir, das ist richtig. Was wir dringend brauchen, sind Menschen, die das matchen. Menschen, die in den Kommunen sitzen, mit einer guten Verbindung in unterschiedliche Bereiche und mit dem Mut, zwischen Vereinen und den Unternehmen wirklich engagiert Verbindungen zu generieren. Das ist der spannende Teil. 

Arbeitende Gruppe im Garten
Arbeitende am Aktionstag. © Prignitzer Aktionstag

Abschlussfrage: Wo ist denn ihr jeweiliger Lieblingsort in Brandenburg?

Aniko Herms-Neumann: Ich liebe meine Heimat. Man hat hier alle Möglichkeiten. Wenn man in einer Stadt wohnt, hat man Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte usw. Aber, und das ist das Schöne, kann man sich keine fünf Minuten aufs Fahrrad setzen und ist mitten in der Natur. Man hat diese angenehmen Gegensätze. Und man ist auch innerhalb einer Stunde in den Großstädten. Auch da vermisst man nichts. Ich bin durch und durch Perlebergerin und Prignitzerin.

Stephan Flade: Ich lebe zurzeit in Wittenberge. Als Pfarrer habe ich natürlich an verschiedenen Orten gelebt. Ich liebe die Prignitz. Das ist jetzt mein letzter Lebensabschnitt. Ich teile was Aniko gesagt hat. Ich schätze die Verbindung in die Großstädte, aber auch die beschauliche ländliche Ruhe, die man hier haben kann.  Diese Sauberkeit, die inzwischen nach der Wende hier eingezogen ist, mit Luft und der Elbe mit ihrem Biosphärenreservat. Was soll ich dazu sagen? Es ist schön!
Ich finde die Verbindung des Universitären mit dem Wirtschaftlichen und dem Ehrenamtlichen in diesen ländlichen Regionen ist eine spannende Kiste. Die sollte man auch, wenn das Projekt InNoWest ausläuft, universitär weiter aufrechterhalten. Für die Studenten und Studentinnen ist es wichtig, dass sie diese Regionen kennenlernen. Dass sie hier Projekte machen mit den Leuten, die hier leben und ein Bild bekommen von einer Region, die eben wirklich abseits der großen Ballungsgebiete liegt.

Aniko Herms-Neumann: Es ist nochmal eine andere Sicht, wenn man als Städter in den ländlichen Raum kommt. Die Leute ticken hier anders. Es gibt halt doch Unterschiede und auch unterschiedliche Themen, die bearbeitet werden müssen. Deswegen fände ich das auch ganz gut, wenn dieser Austausch irgendwie bestehen bleibt.

Stephan Flade: Danke an Reinhard und alle die, die InNoWest für uns hier repräsentieren.

Zusammen sitzende Gruppe im Feierabend
FeierAbend. © Julian Müller für Prignitzer Aktionstag

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Kontakt

Reinhard Lang

Reinhard Lang

Beteiligung + Gemeinwohlorientierung

Lea Risch
Autor*in

Lea Risch

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