Gemeinsam mehr bewegen: Das Netzwerk „Klima und Nachhaltigkeit Prignitz“ entwickelt seine Vision

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Beim zweiten selbstorganisierten Netzwerktreffen am 11. September 2026 in Wittenberge haben Engagierte aus der Region gemeinsam darüber nachgedacht, was sie mit dem Netzwerk erreichen wollen und wie sie ihre Kräfte strukturiert bündeln können.

Tisch mit Tablet, mehreren bunten Notizzetteln, zwei Stiften, einem Smartphone und zwei Personen, von denen eine ein Dokument hält und mit der Hand gestikuliert
Arbeitsgruppe zum Abfallwirtschaftskonzept. © InNoWest, Dr. Andrea Prytula

Wie kann Nachhaltigkeit in der Prignitz mehr Sichtbarkeit und politischen Einfluss gewinnen? Was können Menschen und Initiativen gemeinsam erreichen, das ihnen allein schwerer fällt? Und welche Rolle soll das Netzwerk dabei spielen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des zweiten selbstorganisierten Netzwerktreffens „Klima und Nachhaltigkeit Prignitz“ am 11. September im Transferort Wittenberge.

Im Mittelpunkt stand ein Visionsworkshop, bei dem die Engagierten ihre persönlichen Anliegen und Ziele mit einer gemeinsamen Perspektive für die Region verknüpften. Dabei ging es nicht nur darum, was jede und jeder Einzelne beitragen kann, sondern auch um den Mehrwert eines Netzwerks und die Frage, wie die Zusammenarbeit langfristig gestaltet werden soll.

Eine gemeinsame Vision für mehr Nachhaltigkeit

In Einzelreflexionen, Zweiergesprächen und Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, was sie in der Prignitz bewegen möchten und wofür es die Zusammenarbeit mit anderen braucht. Dabei wurde deutlich: Das Netzwerk soll dem Thema Nachhaltigkeit in der Region mehr Sichtbarkeit, Schlagkraft und politischen Einfluss verschaffen.

Zugleich soll es Menschen mit ähnlichen Werten zusammenbringen, Raum für Austausch schaffen und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Das Netzwerk wird dabei weniger als eigenständiger Akteur verstanden, der eigene Projekte umsetzt, sondern vielmehr als Plattform für engagierte Einzelpersonen, Initiativen und Organisationen.

Ein wichtiger Punkt ist, Nachhaltigkeit stärker mit anderen gesellschaftlichen Themen zu verknüpfen. Klimaschutz und ökologische Vielfalt hängen beispielsweise eng mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, Frieden und gesellschaftlichem Zusammenhalt zusammen. Das Netzwerk möchte diese Zusammenhänge sichtbar machen, den Dialog fördern und mehr Menschen für nachhaltiges Handeln gewinnen.

Die gemeinsam entwickelte Vision fand im Plenum großen Zuspruch. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sie im weiteren Prozess noch geschärft werden soll. 

Was das Netzwerk möglich macht

Die Diskussionen zeigten, dass der Mehrwert des Netzwerks auf unterschiedlichen Ebenen liegt. Es bietet die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Wissen und Erfahrungen auszutauschen und passende Mitstreiter für konkrete Vorhaben zu finden. Außerdem können die Beteiligten ihre bestehenden Angebote bekannter machen und Menschen erreichen, zu denen sie selbst bislang wenig Zugang haben.

Wie das aussehen kann, zeigen die vielfältigen Aktivitäten der Engagierten: vom gemeinschaftlichen Garten und Angeboten wie Kräuterwanderungen oder Workshops über Pflanzaktionen bis hin zu Projekten rund um Wasser und Biodiversität. Im Netzwerk können solche Vorhaben mit Wissen, Kontakten und Ideen anderer Beteiligter verbunden werden.

Auch die Frage, wie sich Menschen langfristig zur Teilnahme motivieren lassen, spielte eine Rolle. So wurde diskutiert, wie Multiplikator*innen bestehende Angebote in ihre eigenen Gruppen und Netzwerke tragen können. Das Netzwerk kann damit dazu beitragen, gute Ideen über den Kreis der bereits Engagierten hinaus bekannt zu machen.

Wie viel Struktur braucht Selbstorganisation?

Neben der gemeinsamen Vision ging es auch um die zukünftige Arbeitsweise des Netzwerks. Zweimal jährlich stattfindende Netzwerktreffen und eine gemeinsame Signalgruppe wurden als hilfreiche Formate benannt. Gleichzeitig blieb die Frage offen, wie die kontinuierliche Koordination und der Wissenstransfer zwischen den Treffen organisiert werden können.

Braucht das Netzwerk eine verantwortliche Person, die Termine organisiert, Informationen bündelt und die Kommunikation aufrechterhält? Oder kann es sich auch ohne eine feste Koordinierung tragen? Und wie lässt sich an bestehende Netzwerke und Strukturen in der Region anknüpfen, ohne neue Doppelstrukturen zu schaffen?

Diese Fragen zeigen, dass Selbstorganisation nicht bedeutet, auf Strukturen zu verzichten. Vielmehr geht es darum, gemeinsam herauszufinden, welche Strukturen die Zusammenarbeit unterstützen, ohne sie unnötig aufwendig zu machen.

Von der Vision zu konkreten Vorhaben

In Arbeitsgruppen vertieften die Teilnehmenden anschließend verschiedene Themen: die Zusammenarbeit mit der Initiative „Zukunft Mit.Machen“, die praktische Umsetzung des Klimaschutzkonzepts sowie Möglichkeiten zu Ressourcenschutz und Müllvermeidung. Dabei wurden bereits erste konkrete Anknüpfungsmöglichkeiten zwischen der Initiative und dem Netzwerk sichtbar, etwa bei der Umsetzung einer gemeinsamen Webseite. Infrastrukturen und Angebote könnten künftig stärker gemeinsam genutzt werden.

Die Ergebnisse des Treffens bilden eine Grundlage für die weitere Entwicklung des Netzwerks. Die gemeinsame Vision soll dabei nicht als abschließendes Leitbild verstanden werden, sondern als Ausgangspunkt, der sich mit den Erfahrungen und Vorhaben der Beteiligten weiterentwickeln kann.

Vier Personen sitzen in einem hellen Raum in einem Stuhlkreis und unterhalten sich, im Hintergrund ein Flipchart mit handschriftlichen Notizen und große Fenster mit Blick ins Grüne
Austausch in Kleingruppe zur gemeinsamen Vision für das Netzwerk. © InNoWest, Dr. Andrea Prytula

Wie es weitergeht

Das nächste Netzwerktreffen ist für den 9. April 2027 geplant. Die Organisation übernehmen erneut die Mitglieder des Netzwerks selbst. Als mögliche Idee wurde ein Besuch bei Praxispartner*innen vor Ort eingebracht. Damit setzt das Netzwerk seinen Weg in Richtung Selbstorganisation fort. InNoWest begleitet diesen Prozess im Rahmen des Teilvorhabens „Bildung für nachhaltige Entwicklung und Partizipation“ und unterstützt auch beim Thema Verstetigung, während die Engagierten vor Ort ihre Themen, Ziele und Formen der Zusammenarbeit zunehmend selbst gestalten.

Das Netzwerktreffen hat gezeigt: Die Stärke des Netzwerks liegt nicht darin, alle Aktivitäten unter einem Dach zu vereinen. Sie liegt darin, Menschen und Initiativen miteinander zu verbinden, gemeinsame Anliegen sichtbar zu machen und sich gegenseitig dabei zu unterstützen, Nachhaltigkeit in der Prignitz voranzubringen.

Laura van Altena
Autor*in

Laura van Altena

Koordination, Partizipation + Citizen Science