
Gemeinsam mehr bewegen: Das Netzwerk „Klima und Nachhaltigkeit Prignitz“ entwickelt seine Vision
Beim zweiten selbstorganisierten Netzwerktreffen am 11. September 2026 in Wittenberge haben Engagierte …
Beim Symposium „Gemeinsam Wissen schaffen: Citizen Science, Kommunikation und Vertrauen“ im Museum für Naturkunde Berlin brachte das KLUB-Team von InNoWest Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlich Engagierten in der Prignitz ein. Ein interaktiver Workshop machte deutlich: Gemeinsame Forschung braucht mehr als eine gute Forschungsfrage. Entscheidend sind Vertrauen, passende Rahmenbedingungen und ein echter Mehrwert auf beiden Seiten.

Wie kann Wissenschaft gemeinsam mit Menschen vor Ort neue Erkenntnisse generieren? Was braucht es, damit aus einer Zusammenarbeit echte Co-Forschung wird? Und wie lässt sich Vertrauen zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft aufbauen?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Symposium „Gemeinsam Wissen schaffen: Citizen Science, Kommunikation und Vertrauen“ am 5. und 6. Oktober 2026 im Museum für Naturkunde Berlin. Das KLUB-Team aus dem InNoWest-Teilvorhaben Partizipation gestaltete am ersten Veranstaltungstag einen interaktiven Workshop zum Thema „Citizen Social Science mit Zivilgesellschaft im ländlichen Raum – Chancen und Grenzen“.
Ausgangspunkt des Workshops waren die Erfahrungen aus dem Projekt KLUB („Klima und Umwelt sozialwissenschaftlich beforschen“). Seit 2023 begleitet das Team haupt- und ehrenamtlich Engagierte in der Prignitz bei der Stärkung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Region.
Ursprünglich war KLUB als Citizen-Social-Science-Projekt angelegt: Menschen aus der Region sollten eigene Fragen und Perspektiven in sozialwissenschaftliche Forschungsprozesse einbringen und diese mitgestalten. Im Verlauf der Zusammenarbeit zeigte sich jedoch, dass zunächst andere Anliegen im Vordergrund standen. Gewünscht wurden vor allem Austausch, gegenseitige Unterstützung, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Strategien, um die Aktivitäten im Netzwerk sichtbarer und wirksamer zu machen.
So rückten die Begleitung und Moderation des Netzwerks stärker in den Mittelpunkt. Die Erfahrungen aus diesem Prozess werfen eine zentrale Frage auf: Wie kann aus einer partizipativ angelegten Kooperation gemeinsame Forschung entstehen und welche Voraussetzungen braucht es dafür?
Im World Café diskutierten die Teilnehmenden zunächst, wie gemeinsames Forschen mit einem Netzwerk gelingen kann, das sich erst im Aufbau befindet. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, von Beginn an Erwartungen, Interessen und Rollen transparent zu machen. Vertrauen braucht Zeit, verlässliche Kontakte und die Bereitschaft, aufeinander einzugehen.
Als wichtige Voraussetzungen wurden unter anderem genannt:
Gerade im ländlichen Raum kommen besondere Herausforderungen hinzu: große Entfernungen, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen sowie unterschiedliche Arbeits- und Lebensrhythmen. Viele Initiativen sind ehrenamtlich organisiert. Gemeinsame Forschung muss deshalb so gestaltet sein, dass sie sich in den Alltag der Beteiligten einfügen lässt und nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird.
In einer zweiten Diskussionsrunde wurden die Rahmenbedingungen für Co-Forschung diskutiert. Hier ging es insbesondere um die Frage, wie der Übergang von einer begleitenden Zusammenarbeit zu gemeinsamer Forschung unterstützt werden kann.
Die Ergebnisse machten deutlich, dass dafür auch die Förder- und Hochschulstrukturen in den Blick genommen werden müssen. Benötigt werden beispielsweise Förderstrukturen für Anbahnungsprozesse und die gemeinsame Entwicklung von Projektideen, etwa durch Seed-Funding. Auch Informationen über Förderinstrumente und passende Unterstützungsformate beim Aufbau von Kompetenzen wurden genannt.
Zugleich wurde betont, dass Wissenschaft Einblicke in ihre Arbeit ermöglichen sollte. Regelmäßige Projektupdates und transparente Informationen über Forschungsprozesse können dazu beitragen, Forschung nachvollziehbar zu machen und Beteiligung zu erleichtern. Kooperationen sollten einen erkennbaren Mehrwert für die beteiligten Gruppen bieten und nicht für ein einseitiges Erkenntnisinteresse instrumentalisiert werden.
Die Diskussionen knüpften an zentrale Erfahrungen aus dem KLUB-Projekt an. Für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft lassen sich daraus einige wichtige Erkenntnisse ableiten:
Erst gemeinsame Ziele, dann die passende Methode. Citizen Social Science ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, zunächst gemeinsame Interessen und Fragestellungen zu finden und darauf aufbauend eine geeignete Form der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Ressourcen und Erwartungen offen klären. Nicht alle Beteiligten können gleich viel Zeit und Arbeit einbringen. Wichtig ist, ein für alle Beteiligten passendes Vorgehen zu entwickeln und die jeweiligen Rollen, Beiträge und Unterstützungsbedarfe gemeinsam zu klären.
Vertrauen braucht Präsenz und Kontinuität. Regelmäßige Begegnungen, verlässliche Ansprechpersonen und ein erkennbarer Nutzen für die Region sind wichtige Voraussetzungen für eine tragfähige Zusammenarbeit.
Zusammenarbeit muss sich entwickeln dürfen. Der Weg von der Netzwerkbegleitung zur Co-Forschung lässt sich nicht vollständig vorab planen. Er entsteht im gemeinsamen Prozess und lebt von der Flexibilität, Ziele, Vorgehen und Rollen immer wieder anzupassen.
Der Workshop hat gezeigt: Gemeinsame Wissensproduktion beginnt nicht erst mit der Forschungsfrage oder der Datenerhebung. Sie beginnt mit dem Aufbau tragfähiger Beziehungen und der gemeinsamen Entwicklung und Gestaltung der Zusammenarbeit. Gerade im ländlichen Raum ist das eine wichtige Voraussetzung, um wissenschaftliche Erkenntnisse und lokales Erfahrungswissen zusammenzuführen, sodass beide Seiten davon profitieren. Um diese Voraussetzungen zu schaffen, ist eine „Phase 0“ zur Anbahnung und Entwicklung von Projekten unerlässlich.


Koordination, Partizipation + Citizen Science

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