Kurz geplaudert mit... Dr. Josephine Jahn und Malte Specht

Zwischen Sensorik, Smart City und nachhaltiger Digitalisierung: Dr. Josephine Jahn und Malte Specht sprechen im Interview über Kooperationen zwischen Wissenschaft und Kommunen, datenbasierte Lösungen für Brandenburg und die Herausforderung, digitale Innovationen langfristig zu verstetigen.

Headerbild Dr. Josephine Jahn und Malte Specht
Kurz geplaudert mit Dr. Josephine Jahn und Malte Specht. © InNoWest, bearbeitet von Lea Risch

Willkommen Dr. Josephine Jahn und Malte Specht. Stellen Sie sich gerne kurz vor.

Dr. Josephine Jahn: Vom Hintergrund her bin ich Soziologin und habe vor InNoWest in der Evaluation und Politikberatung gearbeitet. Bei InNoWest bin im Team Nutzer*innenzentrierte Digitalisierung als Stakeholder-Managerin eingestellt. Dazu gehören viele Aufgaben, z.B. Kontakte zu potenziellen Praxispartner*innen aufzubauen, ihre Bedarfe zu analysieren und die Passfähigkeit zu unseren Projekten festzustellen. Dazu gehört es auch Multiplikator*innen einzubinden, die bereits im Themenfeld nachhaltige Digitalisierung in Brandenburg aktiv sind.

Malte Specht:  Bis Ende 2023 war ich bei der z-optimations GmbH als Optimierer für Werkzeugmaschinen tätig – mit Schwerpunkt auf der Reduzierung technischer Nebenzeiten in der Automobilindustrie. 2024 wechselte ich in die kommunale Verwaltung: Seitdem gestalte ich als Smart City Manager im Modellprojekt Smart Cities der Stadt Bad Belzig und der Gemeinde Wiesenburg/Mark die digitale Transformation vor Ort. Seit Mitte 2025 leite ich das Projekt mit einem vierköpfigen Team und verantworte die strategische Umsetzung aller Smart-City-Maßnahmen. Das Projektteam firmiert unter dem Namen Zukunftsschusterei. Um unser Projektteam unterzubringen, ist ein altes Ladengeschäft angemietet worden: eine ehemalige Schusterei.

Sich unterhaltende Menschen in eiem Workshop-Raum
Dr. Josephine Jahn im Gespräch mit Kolleg*innen. © InNoWest, Florian Reischauer

Woran arbeiten Sie gerade?

Dr. Josephine Jahn: Ich habe im Projektteam eine übergeordnete Rolle. Ich baue ein Netzwerk aus Akteur*innen in Brandenburg auf, die an nachhaltiger Digitalisierung Interesse haben und halte sie über unsere technischen Prototypen und sonstige Projektergebnisse auf dem Laufenden. Aktuell arbeite ich an einem Transferkonzept für die verschiedenen Themenbereiche aus unserem Team.

Malte Specht: Schwerpunktmäßig bin ich neben der Projektleitung für unsere Teilmaßnahmen „Planen mit Daten“ zuständig. Mein Fokus liegt hierbei auf der Entwicklung und Implementierung vernetzter Lösungen, von LoRaWAN-basierter Sensorik über Smart Metering bis zu datengetriebenen Bürger*innenprojekten. Ein zentrales Vorhaben ist unsere Citizen-Science-Initiative zum Thema Bodenfeuchte: In Kooperation mit der Wassermeisterei erfassen wir gemeinsam mit Bürger*innen Echtzeitdaten zur Bodenfeuchte und visualisieren diese auf einer interaktiven Wasserkarte. Das Projekt verbindet IoT (Internet oft things)-Sensoren, partizipative Wissenschaft und kommunale Klimaresilienz. Viele Ergebnisse unserer Arbeit sind in das LoRaWAN-Handbuch für Kommunen eingeflossen, dass die Digitalagentur Brandenburg veröffentlicht hat.

Außerdem arbeite ich an dem Kooperationsprojekt Dorfgemeinschaftshäuser 2.0. Hier soll eine digitale Buchungsplattform Biletado entstehen, deren Ziel es ist, kommunale Räume zur Buchung auf einer zentralen Plattform zur Verfügung zu stellen. Die Entwicklung von Biletado ist ein Kooperationsprojekt mit dem Amt Süderbrarup und der Kiel Region GmbH.

Wie ist es zu der Kooperation mit InNoWest gekommen? Wie begann die Geschichte?

Dr. Josephine Jahn: Ich habe Malte das erste Mal auf dem Verbundtreffen von InNoWest 2024 gesehen. Zuvor gab es bereits Kontakte meines Teams über die gemeinsame Teilnahme an der bereits erwähnten "AG LoRaWAN".

 

Malte Specht
Malte Specht. © Malte Specht

Malte Specht: Es gab zwei Stränge, mit denen wir uns beschäftigt haben. Einerseits mit dem Thema Sensorik, andererseits mit MOSIDI. Wir wollten die im Rahmen von InNoWest genutzte Sensorik bei uns nachnutzen und MOSIDI für die Datenvisualisierung unserer Wasserkarte zu verwenden. 
Beides hat sich leider zerschlagen, da es Mitarbeiterwechsel bei InNoWest gab und die Entwicklungsphase von MOSIDI länger gedauert hat, als ursprünglich geplant. Daher sind diese konkreten Projekt-Kooperationen dann wieder beendet worden. Was aber geblieben ist, ist der Kontakt zu Josephine u.a. über die Arbeitsgruppe „Nachhaltige Digitalisierung“ der Nachhaltigkeitsplattform Brandenburg.

Dr. Josephine Jahn: So ist das manchmal. Bestimmte Zeitfenster sind geeignet für eine Kooperation und die schließen sich aber auch schnell wieder. Ich glaube, es ist generell so, wenn Hochschulen mit Kommunen zusammenarbeiten. Man hat da diese unterschiedlichen Zeitlogiken. Wenn man Glück hat, passt es zusammen. Aber man kann das natürlich auch nur begrenzt von beiden Seiten beeinflussen.  

Durch die Mitarbeiterwechsel hat sich auch der Schwerpunkt im Sensorik-Projekt verändert: vorher war der Ansatz eher hardwarelastig, also die Kollegen haben selbst Sensoren zusammengebaut. Davon sind wir dann abgerückt. Wenn wir die Technik für Kommunen anbieten wollen, ist es einfacher umsetzbar, fertige Sensoren zu verwenden, die man einfach einkaufen kann.
Aktuell haben wir den Fokus eher auf die Software und auf die Datenpipeline gelegt. Wir kaufen nun den Sensor und kümmern uns um die digitale Übertragung der Messdaten in eine Datenbank. So behalten wir den Überblick, welche Signale von welchem Sensor kommen. Die hohe Kunst, ist es dann, das in eine schöne Visualisierung zu gießen, sodass man nicht nur Zahlenreihen sieht, sondern z.B. verschiedenfarbige Bodenfeuchte-Stufen, wie in der Wasserkarte vom Smart City Projekt.

Gruppenbild auf der Plenartagung der Nachhaltigkeitsplattform mit Dr. Josephine Jahn, Malte Specht,  Prof. Benjamin Nölting und Peter Ligner
Gruppenbild auf der Plenartagung der Nachhaltigkeitsplattform Brandenburg 2025 mit Prof. Benjamin Nölting und Peter Ligner. © Malte Specht

Wie würden Sie Ihre aktuelle Zusammenarbeit beschreiben?

Dr. Josephine Jahn: Malte ist inzwischen eher ein fester Netzwerkpartner, ohne spezifischen Projektbezug bei uns im Team. Ich habe ihn mehrfach eingeladen zu Fachveranstaltungen von uns, sodass wir uns doch regelmäßig wiedergetroffen haben (z.B. Smart Country Convention 2024, Plenartagung der Nachhaltigkeitsplattform Brandenburg 2025). Außerdem gab Malte einen Input zu Sensorik und LoRaWAN im Transferkaffee meets MorningCall (Mai 2026). Das tolle bei Malte ist, dass er – obwohl er auch wenig Zeit hat – bei solchen Gelegenheiten meist zusagt.

Malte Specht: Für mich ist es tatsächlich sehr hilfreich, Kontakte in eine andere „Sphäre“ zu haben. Das gibt mir die Möglichkeit, mit Menschen aus der Wissenschaft oder mit anderen Kooperationspartner*innen von InNoWest in Kontakt zu kommen und in Austausch zu treten. Daraus ergeben sich dann wieder eigene Sachen. Darüber habe ich beispielsweise die Partner*innen in Potsdam kennengelernt, mit denen wir immer wieder im Austausch waren. Für mich ist das Netzwerk über den InNoWest-Kreis ein enormer Gewinn.

Dr. Josephine Jahn: Das ist schön zu hören. Auf dieser Meta-Ebene sprechen wir ja sonst auch nicht, meist sprechen wir sehr fokussiert über einzelne Themen.

Malte Specht: Ich empfinde es als eine sehr angenehme und schöne Kooperation, die wir haben. Zukünftig ist auch vorstellbar, dass unsere Sensordaten trotzdem für Tests und Visualisierungen des Projektes MOSIDI genutzt werden können. Wir halten da Kontakt zu InNoWest.

Malte Specht auf dem Podium der SCCON 2024 mit drei weiteren Personen
Malte Specht auf dem Podium der SCCON 2024 zum Thema LoRaWAN. © InNoWest, Benjamin Nölting

Was bleibt von diesen Netzwerken und Projekten nach Ende der Laufzeiten erhalten?

Malte Specht: Ein Fazit, das ich aus dem Smart City Kontext mitnehme, ist, dass hier viel Geld und Arbeitskraft in Konzepte, in Softwareprodukte und in Systeme geflossen ist. Wir arbeiten nun an Möglichkeiten, dieses Know-how und diese Kapazitäten langfristig zu verstetigen. Hier ist auch die Perspektive der Wissenschaft spannend: Wie kann eine intelligente Nachnutzung von Förderprojekten aussehen, die wirklich dazu führt, dass die entwickelten Produkte erhalten bleiben? Die Verstetigung ist aktuell im gesamten Smart City Modellprojekt ein großes Thema.

Aktuell arbeiten wir zum Beispiel an Konzepten für den langfristigen Betrieb der Bad Belzig App (Smart Village App) in Brandenburg. In unserer verbleibenden Zeit im Modellprojekt Smart City möchten wir mit den anderen anwendenden Kommunen und Landkreisen, den langfristigen Betrieb der App sichern. Ein für uns unverzichtbares Forum ist hierbei die TUIV-AG. In deren Nutzer*innenkreis für die Smart Village App haben wir gemeinsam mit dem Landkreis Havelland den Vorsitz inne und arbeiten an Ideen und Konzepten für die Verstetigung, aber natürlich auch an Weiterentwicklungen für die App selbst.

Dr. Josephine Jahn spricht in ein Mikrofon
Dr. Josephine Jahn auf der SCCON 2024. © WFBB, Dirk Enters

Dr. Josephine Jahn: Das betrifft uns in gleicher Weise. Unsere Projektzeit endet ebenfalls Ende 2027. Wir überlegen bei allen unseren technischen Prototypen, wo diese Anwendungen später gehostet und weiterbetrieben werden können. Es gibt im Land Brandenburg noch keinen Ort, wo öffentlich geförderte technische Lösungen dauerhaft betrieben werden können, sodass diese nicht einfach nach Projektende verschwinden. Für dieses Thema versuchen wir auch die Landespolitik zu sensibilisieren.

Letztes Jahr haben wir intensiv an einer Publikation für die Bertelsmann Stiftung geschrieben, zum Thema Herausforderungen von kleinen Kommunen bei der nachhaltigen Digitalisierung in Brandenburg. Eine unserer Empfehlungen darin ist es, einen zentralen (Weiter)-Betrieb im Land zu ermöglichen und neben der Finanzierung auch Ansprechpartner*innen für die Nachnutzung und ggf. spätere Weiterentwicklung zu schaffen. Die Unterstützung vom Land Brandenburg ist eine Voraussetzung dafür, dass sich bereits entwickelte Lösungen dauerhaft nutzen lassen und nicht immer wieder neue Lösungen entwickelt oder eingekauft werden müssen.

Gleichzeitig arbeiten wir daran, weitere Projektergebnisse, die (oft in Kooperation mit Kommunalverwaltungen) erarbeitet wurden, festzuhalten. Wir entwickeln ein Transferkonzept, was u.a. Handreichungen umfasst, die so gestaltet sind, dass auch Kommunen, die sich mit unseren Themen noch nicht beschäftigt haben, sie verstehen und nutzen können. Sie sollen kommunalen Entscheidungsträger*innen helfen, herauszufinden, was sie in puncto Digitalisierung wirklich brauchen und welche Möglichkeiten der Umsetzung es gibt.

Nun zum Abschluss: Wo ist Ihr jeweiliger Lieblingsort in Brandenburg?

Malte Specht: Na, zu Hause natürlich. Ich schätze die Gegend um Bad Belzig. Es gibt viel schöne Natur und es ist sehr kleinräumig, dadurch dass es viel Biolandwirtschaft gibt.

Dr. Josephine Jahn: Ich bin durch meine Anstellung an der HNEE oft in Eberswalde. Ich finde den forstbotanischen Garten dort sehr schön. Ich freue mich aber auch immer, wenn ich nach Brandenburg an der Havel fahre und auf dem Weg dahin die unberührte Natur vom Zug aus sehen kann.

Kontakt

Dr. Josephine Jahn

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Lea Risch
Autor*in

Lea Risch

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