
Von Schmuckfassade bis Plattenbau: Möglichkeiten energetischer Sanierung
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Im Haus der Familie Kapfinger werden derzeit Kabel für ein Messsystem verlegt. Künftig sollen Sensoren unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂-Gehalt erfassen. Während der Arbeiten berichtet der Bauherr im Interview, warum sich die Familie für eine umfassende energetische Sanierung entschieden hat, welche Überraschungen der Bestand bereithält und wie es in den kommenden Monaten weitergeht.

Das 1960 errichtete Einfamilienhaus in Brandenburg ist ein naher Verwandter des DDR-Haustyps EW 58. Seine Sanierung wird durch das InNoWest-Projekt „Tool zur energetischen Ertüchtigung standardisierter Einfamilienhäuser“ wissenschaftlich begleitet. Von den Forschenden wird dies als Real-Labor betrachtet. Am konkreten Gebäude sollen Erfahrungen gewonnen werden, die sich auch für die energetische Ertüchtigung vergleichbarer Häuser nutzen lassen.
Als die Familie das Haus im Januar 2025 kaufte, stand die Entscheidung für eine energetische Sanierung bereits fest. Ein wesentlicher Grund waren die langfristigen Betriebskosten. „Ich wusste schon, dass ich es energetisch sanieren will, weil es aus sehr vielen Perspektiven sinnvoll ist“, sagt Kapfinger.
Vor dem Kauf hatte ein Bausachverständiger die sichtbare Bausubstanz begutachtet und als gut eingeschätzt. Verdeckte Bauteile wurden dabei jedoch nicht geöffnet. Erst mit der weiteren Planung zeigte sich, welche zusätzlichen Anpassungen notwendig sind. Das betrifft insbesondere das Dach, dessen Konstruktion für den geplanten neuen Aufbau ertüchtigt werden muss.
Für Kapfinger gehören solche Überraschungen grundsätzlich zu einer Bestandssanierung. Dennoch müssen Planungen angepasst, konstruktive Lösungen gefunden und zusätzliche Kosten berücksichtigt werden. Finanzielle Reserven seien deshalb wichtig. Zugleich gelte: „Irgendwann ist der Puffer auch aufgebraucht.“ Dann müsse entschieden werden, welche Maßnahmen notwendig sind und welche zunächst zurückgestellt werden können.
Auf das InNoWest-Projekt wurde Kapfinger durch einen Aufruf aufmerksam. Gesucht wurde ein Haus aus den frühen 1960er-Jahren, dessen energetische Sanierung innerhalb der Projektlaufzeit begleitet werden kann.
Zur Teilnahme bewogen hat ihn die Aussicht, mit den Erfahrungen aus dem eigenen Haus auch anderen Eigentümerinnen und Eigentümern eine Orientierung zu geben. Zwar sei jedes Gebäude ein Einzelfall, in der Herangehensweise an vergleichbare Bestandsgebäude gebe es jedoch übertragbare Aspekte.
Die demnächst installierte Sensorik ist Teil dieser Begleitung. Mit ihr sollen die Bedingungen im Haus und die Veränderungen im Verlauf der Sanierung erfasst werden. Dadurch kann das Projekt die energetische Entwicklung nicht nur rechnerisch modellieren, sondern auch durch Messdaten nachvollziehen.
Im Inneren wurde das Haus bereits verändert. Die frühere Küche war für die fünfköpfige Familie zu klein. Deshalb wurde die Wand zum Wohnzimmer entfernt und die Decke an dieser Stelle mit einem Stahlträger abgefangen. So entsteht eine großzügige Wohnküche, die später einen direkten Zugang zum Garten erhalten soll. Auch das Bad wurde durch das Versetzen einer Wand etwas vergrößert.
Die Familie lebt während der Bauarbeiten im Haus. Das bringt Einschränkungen mit sich, ermöglicht aber auch kurze Wege: Kleinere Arbeiten können zwischendurch erledigt und Fragen mit den beteiligten Unternehmen direkt vor Ort geklärt werden. Größere Eingriffe legt die Familie möglichst in die Ferien.
Einen Teil der Arbeiten übernimmt sie selbst. Dazu gehören die Fußbodendämmung, vorbereitende Arbeiten für die Fußbodenheizung, Trockenbauarbeiten und voraussichtlich große Teile der Fassadendämmung. Fachbetriebe führen unter anderem die Anschlüsse der Heizungs- und Wasserleitungen, die statisch relevanten Dacharbeiten sowie den Einbau der Fenster aus. Eine Wärmepumpe ist bereits installiert.
Für Kapfinger besteht der Wert der Eigenleistung nicht allein in der finanziellen Ersparnis. Wer selbst am Gebäude arbeitet, lernt dessen Konstruktion und die ausgeführten Lösungen genau kennen. Dieses Wissen könne auch bei späteren Reparaturen oder Veränderungen hilfreich sein.
Als nächster umfangreicher Schritt steht die energetische Ertüchtigung des Daches an. Die vorhandene Dachkonstruktion soll dabei erhalten und für die neuen Anforderungen verstärkt werden. Vorgesehen sind außerdem eine Holzfaserdämmung, neue Dachfenster und eine Photovoltaikanlage. Durch den veränderten Dachaufbau entstehen höhere Lasten, die von der bestehenden Konstruktion bislang nicht aufgenommen werden können.
Deshalb müssen der Fußpunkt des Daches und die vergleichsweise gering dimensionierten Sparren angepasst werden. Ergänzende Holzbauteile sollen die zusätzlichen Dachlasten in das Mauerwerk ableiten. Zugleich werden die bislang nicht durchgehend verbundenen Deckenbalken gekoppelt, damit sie künftig die Zugkräfte des Sparrendachs aufnehmen können. Dafür müssen Teile des Fußbodens im Obergeschoss geöffnet werden. Ursprünglich sollte der Boden erhalten bleiben. Nun muss die Familie entscheiden, ob er nach den Arbeiten provisorisch geschlossen oder direkt erneuert wird. Damit zieht die notwendige konstruktive Anpassung eine weitere, anfangs nicht vorgesehene Entscheidung nach sich.
Die statisch relevanten Arbeiten am Dach übernimmt ein Fachunternehmen. Die Zwischensparrendämmung mit zugeschnittenen Holzfasermatten will die Familie anschließend selbst einbringen.
Nach dem Dach folgen voraussichtlich die Fassadendämmung und der Austausch der vorhandenen Fenster, die den angestrebten energetischen Anforderungen nicht genügen. Nach derzeitigem Plan sollen die geförderten Maßnahmen bis September 2027 abgeschlossen sein.
Nach der Planung und den bereits begonnenen Arbeiten richtet sich der Blick zunehmend auf das fertige Haus. Kapfinger freut sich auf die verstärkte Dachkonstruktion, die gedämmte Fassade und den weiteren Ausbau der Wohnräume. Besonders freut er sich darauf, im Winter auf dem warmen Holzboden zu stehen und zu merken: Die Sanierung hat funktioniert.
Dann soll aus der Baustelle wieder vor allem ein Zuhause werden, in dem die Familie gut leben kann.

Koordination + Architektur

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