
Fazit des Projekts NoVa Leaves: Lässt sich Herbstlaub funktionalisieren?
Zum Start von NoVa Leaves stand eine offene Frage im Raum: Lässt sich Herbstlaub aus urbanen Räumen funktionalisieren – lassen sich also …
Wie lassen sich Biodiversität, nachhaltiges Bauen und Digitalisierung miteinander verbinden? Dieser Frage geht ein neues Vorhaben im Rahmen von InNoWest nach. Im Mittelpunkt stehen die geplanten Biodiversitätswände aus unserem bereits laufenden InNoWest-Transferfondsprojekt „Biodiversitätsprojekt mit Reetwellerlehmwänden in der Prignitz“.
Das vom Zentrum für Peripherie initiierte Pilotprojekt verbindet nachhaltiges Bauen, Biodiversität und regionale Wertschöpfung. An vier Standorten in der Prignitz entstehen Biodiversitätswände aus Reetwellerlehm, die wissenschaftlich begleitet werden. Im Fokus steht dabei die Frage, ob und wie die Wände von Wildbienen und anderen Insekten als Lebensraum angenommen werden können. Reet übernimmt dabei nicht nur eine stabilisierende Funktion im Baustoff, sondern schafft durch seine natürlichen Strukturen zugleich potenzielle Lebensräume für Insekten.
Ein wichtiger nächster Schritt entsteht derzeit im Rahmen eines Aufbauprojektes in Kooperation mit InNoWest: Wie sieht es eigentlich im Inneren der Wände aus? Welche Temperatur- und Feuchtebedingungen herrschen dort, wo sich die Brut der Wildbienen entwickelt? Und wie hängen diese mikroklimatischen Bedingungen mit der Besiedlung der Wände zusammen?
Um diesen Fragen nachzugehen, soll eine der Biodiversitätswände mit digitaler Sensorik ausgestattet werden. Die Idee dazu ist aus dem Austausch innerhalb von InNoWest entstanden. Laura van Altena aus dem Team Partizipation begleitet das Projekt maßgeblich und hat die Verbindung zu den InNoWest-Strukturen hergestellt. Philipp Kersten ist inzwischen ebenfalls mit an Bord und bringt seine Expertise aus dem Bereich des nachhaltigen Umbaus ein.
Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin beim produzierenden Start-up-Unternehmen earthbound in der Urban Tech Republic in Berlin haben sich Philipp Kersten und Projektinitiatorin Ute Reeh nun den aktuellen Stand der Wandproduktion angesehen. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie sich Sensoren und Verkabelung sinnvoll in den Herstellungsprozess integrieren lassen.
Geplant ist ein prototypisches Monitoringsystem, mit dem Temperatur- und Feuchteverläufe über verschiedene Tiefen innerhalb der Wand kontinuierlich erfasst werden können. Die Messdaten sollen anschließend mit dem bestehenden Wildbienenmonitoring verknüpft werden. So könnte erstmals sichtbar werden, welche mikroklimatischen Bedingungen innerhalb einer Reetwellerlehmwand tatsächlich herrschen und welche Rolle sie für deren Besiedlung spielen. Gleichzeitig entstehen neue Erkenntnisse über das bauphysikalische Verhalten des innovativen Baustoffs.
Besonders spannend ist dabei die Verbindung verschiedener InNoWest-Perspektiven: Digitalisierung, nachhaltiger Umbau und Partizipation treffen auf ein konkretes Praxisprojekt in der Region. Perspektivisch könnten die gewonnenen Daten nicht nur für Forschung und weitere Fördervorhaben genutzt werden. Gerade die geplante Biodiversitätswand an einem Schulstandort in Wittenberge bietet auch die Möglichkeit, reale Messdaten für Bildungs- und Citizen-Science-Aktivitäten zu nutzen.
Der Vor-Ort-Termin war damit ein wichtiger Schritt von der Idee in Richtung Umsetzung. Jetzt gilt es, die technische Integration weiter zu konkretisieren, die ersten Komponenten zu planen und die nächsten Produktionsschritte mit der Sensorik abzustimmen. Schon Ende September geht die Produktion der Wände an den Start.
Aus einer zunächst analogen Biodiversitätswand entsteht so ein sichtbarer Demonstrator an der Schnittstelle von Naturschutz, nachhaltigem Bauen und Digitalisierung – und ein weiteres Beispiel dafür, wie aus dem Austausch innerhalb von InNoWest neue gemeinsame Vorhaben entstehen können.

Koordination, Partizipation + Citizen Science

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