Betula: The Talking Tree

Transferfonds
Sensorik

Das Forschungsprojekt hat seine Hauptdarstellerin gefunden: Betula, eine Birke, die ihre Umgebung wahrnimmt, auf sie reagiert und Menschen einlädt, mit ihr in einen sprachlichen Dialog zu treten. Was ist sonst noch passiert?

Mehrere Personen sitzen an einem runden Tisch in einem hellen Büro mit Computern und einem Baumstamm als Raumteiler
Studierende der THB entwickeln den Betula-Prototyp. © Jessica Broscheit

Worum geht’s? 

Die Folgen des Klimawandels sind vielerorts sichtbar. Doch was bedeuten sie eigentlich für einen einzelnen Baum? Was geschieht ihm, wenn der Boden austrocknet oder sich die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit verändern? Solche Fragen lassen sich wissenschaftlich untersuchen. Aber wie können wir die Erkenntnisse darüber hinaus so vermitteln, dass sie Menschen nicht nur informieren, sondern auch berühren und zum Nachdenken anregen?

Hier setzt Betula – The Talking Tree an. Die Idee: Ein Baum erhält eine Stimme. Er wird zum Gegenüber, kann Fragen beantworten und lädt dazu ein, die eigene Umwelt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das Forschungsprojekt verbindet Sensortechnik mit künstlicher Intelligenz sowie audiovisuellen Ausgabekomponenten, um den Klimawandel aus einer ungewohnten Perspektive erfahrbar zu machen. 

Das vom InNoWest Transferfonds geförderte Forschungsprojekt begann im April 2026 und arbeitet an der Schnittstelle unterschiedlicher Fachgebiete. Die biologischen Grundlagen und das Wissen über die Auswirkungen des Klimawandels treffen auf Informatik, interaktive Mediengestaltung und die Entwicklung technischer Systeme. Die Kooperation zwischen der Technischen Hochschule Brandenburg, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Präsenzstelle Prignitz und der Landesgartenschau Wittenberge bringt diese unterschiedlichen Perspektiven zusammen und erarbeitet die Ergebnisse gemeinsam mit Studierenden aus den Masterstudiengängen Informatik und Interactive Media der TH Brandenburg.

Wo anfangen?

Das Projekt startete mit einer Exkursion in den Klimawandelwald Eberswalde, um zunächst ein gemeinsames Problemverständnis zu entwickeln. Dr. Bernhard Götz (HNEE) vermittelte dabei Einblicke in die Baumphysiologie, den Einsatz von Umweltsensoren und die Herausforderungen, denen Bäume im Klimawandel begegnen. Mit dieser fachlichen Annäherung entstand ein Ausgangspunkt für die gestalterische und technische Entwicklung.

Gruppe von Menschen steht im Wald vor einem großen Baum und hört einer sprechenden Person zu
Im Klimawandelwald mit Dr. Bernhard Götz. © Jessica Broscheit

Wie könnten Mensch und Baum sich begegnen?

In einem gemeinsamen Prototyping-Workshop entwickelten Studierende und Lehrkräfte im Sommersemester 2026 erste Ideen für mögliche Ausstellungsdesigns und Interaktionskonzepte. Statt ausschließlich am Bildschirm zu planen, wurde mit einfachen Materialien experimentiert: Kleine Zweige dienten als Miniaturbäume, Modelliermasse, Papier und Stifte machten unterschiedliche Gestaltungsideen greifbar.

Im Vordergrund standen dabei die Anforderungen an das System und die Eingrenzung des Vorhabens. Wie könnte ein Baum auf eine Berührung reagieren? Wie lässt sich eine Interaktion gestalten, die neugierig macht, ohne kompliziert zu sein? Und wie viel Technik braucht es, damit die Begegnung lebendig wirkt?

Wie lässt sich das technisch umsetzen?

Anschließend entwickelten die Studierenden einen ersten Minimal-Proof-of-Concept – einen grundlegenden Funktionsnachweis für einen dialogfähigen Baum. Dabei wurden verschiedene Sensoren und Aktoren experimentell erprobt, um den gestalterischen und technischen Möglichkeitsraum auszuloten. Zugleich entstand eine modulare Architektur auf Basis eines Large Language Models (LLM), die als Grundlage für die sprachliche Interaktion dient. Der dabei entstandene Prototyp markiert einen wichtigen Übergang – von einer zunächst offenen Idee hin zu einer konkreten technischen Grundlage, auf der die weitere Entwicklung aufbauen kann.

Dünne, verzweigte Zweige mit kleinen Knospen stecken in runden weißen Haltern vor unscharfem Hintergrund mit Skizzen und Texten auf Papier
Hand berührt einen weißen, runden Sensor an einem Birkenstamm im Park mit herbstlich gefärbten Bäumen im Hintergrund

Wie geht’s weiter?

Nach der Gestaltung des finalen Ausstellungsdesigns wird die Landesgartenschau Wittenberge 2027 die nächste große Station sein. Einen Tag lang soll die sprechende Birke dort Besucher*innen begegnen und einen innovativen Raum für Umweltbildung schaffen. Die Studierenden werden dabei sein und das Ergebnis präsentieren, dokumentieren und hinterher evaluieren. Im Anschluss an die Landesgartenschau wird das System an die Präsenzstelle Wittenberge übergeben und dort präsentiert.

Besuchen Sie auch die projekteigene Webseite, um mehr zu erfahren.

Projektbeteiligte:

  • Prof. Dr. Jessica Broscheit (THB)
  • Prof. Dr. Georg Merz (THB)
  • Prof. Dr. rer. nat. Katharina Stein (HNEE)
  • Diana Richter (THB Präsenzstelle)
  • Christian Rose (InNoWest, THB)
  • Dipl.-Inform. Ingo Boersch (THB)
  • Adrian Kunze (THB, Informatik)
  • Marvin Tank (THB, Informatik)
  • Ella Danay (THB, Interactive Media)
  • Mega Diagma (THB, Interactive Media)
  • Aminata Tendonge (THB, Interactive Media)

Autorin: Juliane Köhler