Fachforum: Klimaschutz und Demokratie in der Prignitz

Das Fachforum im Transferort Wittenberge verdeutlichte, dass die Klimawende in der Prignitz primär eine demokratische Gestaltungsaufgabe ist. Im Zentrum stand die Analyse von Tessina Ott (HNEE), die aufzeigte, dass die Akzeptanz für Windenergie in der Region oft an fehlender lokaler Teilhabe scheitert. Ihre Forschung unterstreicht, dass sachliche Bürgerkritik ernst genommen werden muss, da demokratische Prozesse die Qualität von Klimaschutzmaßnahmen messbar verbessern. Der erfolgreiche Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis mündete in der Vision einer selbstwirksamen Prignitz für das Jahr 2035, in der Bürger durch aktive Mitgestaltung erfahren, dass ihr Engagement vor Ort reale Veränderungen bewirkt.

Zu sehen ist ein Bildausschnitt eines Schaubildes zum Workshop mit Klärungsfragen zum Thema der Masterarbeit.
Workshopfragen der Referentin Tessina Ott an die Teilnehmer des Fachforums.

Klimaschutz und Demokratie: Kein Widerspruch, sondern Teamwork für die Prignitz

Auf die beste Art und Weise rauchten vergangene Woche bei uns im Transferort Wittenberge die Köpfe. In unserem ersten Fachforum stellte Tessina Ott (ehemalige Studentin der HNEE) die Ergebnisse ihrer Masterarbeit einem interessierten Publikum aus Unterstützern und Zivilgesellschaft der Prignitz vor. Es wurde deutlich: Die Klimawende in der Prignitz ist weit mehr als ein technisches Projekt – sie ist eine demokratische Gestaltungsaufgabe.

Herausforderungen einer Energie-Region

Tessina beleuchtete kritisch die besondere Rolle der Prignitz als ländliche Region. Während hier enorme Mengen an Windstrom produziert werden, sind die Vorteile durch die Energiewende für die Menschen vor Ort häufig nicht sichtbar. „Der Bürger hat oft das Gefühl, zwar die Kosten und die Veränderung des Landschaftsbildes zu tragen, aber nicht direkt vom Ertrag zu profitieren“, fasste Tessina die Stimmung zusammen. Gleichzeitig betonte sie die enormen Chancen der Region für die Gestaltung der Klimawende: Beispielsweise ist das Fundament für Veränderung – ein aktives Bürgerengagement – bereits vorhanden.

Besonders spannend beurteilte Tessina ihre persönliche Entwicklung während der Forschung. Durch die vielen Gespräche und Befragungen in der Prignitz gewann sie eine neue Sichtweise auf die lokalen Debatten. „Ich habe durch die Befragungen ein viel höheres Verständnis für die Argumente der Menschen hier gewonnen. Es gibt an vielen Punkten eine sachlich sehr nachvollziehbare Kritik aus Sicht der Bürger“, reflektierte sie im Fachforum.

Ihr zentrales Fazit: Demokratie und Klimaschutz schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Demokratische Prozesse, in denen die Menschen ernst genommen werden, verbessern am Ende die Ergebnisse und stärken die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen.

Brücke zwischen Theorie und Praxis

Für den Transferort und die Referentin war der Austausch ein voller Erfolg. Der direkte Draht zwischen Theorie und Praxis wurde spürbar, als Tessina ihre Handlungsempfehlungen vorstellte und sofort Rückmeldungen von Praktikern aus der Region erhielt. „Es ist ein tolles Gefühl, nicht für die Schublade produziert zu haben. Zu sehen, dass meine Arbeit Impulse gibt, die in der Region direkt aufgenommen werden, ist sehr motivierend“, so Tessina nach der Veranstaltung.

Eine Vision für die Zukunft der Prignitz

Der Nachmittag schloss mit einem inspirierenden Ausblick auf das Jahr 2035. Tessina entwarf das Bild einer Zukunft, in der die demokratisch gestaltete Klimawende in der Prignitz Früchte trägt: In dieser Vision machen die Bürgerinnen und Bürger die Erfahrung echter Selbstwirksamkeit – das tiefe Wissen: „Wenn ich mich einbringe, kann ich hier vor Ort wirklich etwas bewegen.“ Es ist ein Wunschbild, das zeigt, worauf wir hinarbeiten: Ein Miteinander, bei dem Klimaschutz und starke demokratische Teilhabe Hand in Hand gehen. 

Wir danken Tessina Ott für diesen wertvollen Input und allen Teilnehmenden für die ehrliche und konstruktive Diskussion!

 

Christian Rose
Autor*in

Christian Rose

Wissenschaftskommunikation + Transfermarketing

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